ie Kultur der Moche entwickelte sich um 100 vor Christus an der
Nordküste des heutigen Peru nahe der Stadt Trujillo. Der eigentliche
Name dieses Volkes ist nicht bekannt, so wurde es nach der Stadt Moche, dem
religiösen und politischen Zentrum, benannt.
Im Laufe der Zeit dehnte sich der Einfluss der Mochica bis zur
Südküste Perus aus. In den Jahren 600-700 nach Christus endete
die Moche-Kultur. Sie ging über in das Reich der Chimú und der
aus dem Hochland stammenden Huari. Ihre Sprache wurde jedoch noch länger
gesprochen; unter dem Namen Yunga haben spanische Priester und Mönche
sie erforscht. Im Dorf Eten an der nördlichen Küste Perus soll
sie sogar noch bis ins 20. Jahrhundert benutzt worden sein.
Überleben durch ausgeklügelte Bewässerungssystem
Das Überleben in dem überaus trockenen Gebiet war nur
in der Nähe von Wasser möglich, denn es regnete so gut wie nie.
Bewässerungssysteme waren daher für die Ernährung der Mochica
unerlässlich. Sie bauten Mais, Bohnen, Erdnüsse und Chili-Pfeffer
in ausgeklügelten Ackerbautechniken an. Die Bauern senkten ihre Felder
ab, bis die Erde in direkten Kontakt zum Grundwasser stand. Als natürlichen
Dünger gab es nur Guano, den Kot der Seevögel. Zudem wurde Baumwolle
für die Textilproduktion angepflanzt.
Die Mochica nutzten Schilf und Rohr für Hütten und kleinere
Schiffe. Die Flöße, „caballitos del mar“ (Seepferdchen) waren
aus Basaltholz, Binsenschilf und Röhricht. Die Jagd auf Fische, Seevögel
und Meeressäuger gehörte zu weiteren Tätigkeiten der Mochica.
Sie trieben aber auch mit landeinwärts lebenden Gruppen Handel. Nutztiere
waren Enten, Meerschweinchen und Hunde. Ausgestorben ist eine Lamarasse,
die gezüchtet wurde und an das Wüstenklima angepasst war. Exotischere
Haustiere wie Papageien, Affen und Ozelote hielt sich der Adel.
Architektur als Zeichen gesellschaftlicher
Schichtung
Mit der so genannten „Sonnenpyramide“, die
228 m lang, 136 m breit und 41 m hoch war, errichteten die Mochica in ihrem
religiösen Zentrum Moche eines der größten Bauwerke an der
Küste. Nicht weniger als 100 Millionen „Adobe“-Lehmziegel wurden über
mehrere Jahrhunderte hinweg, beginnend im ersten Jahrhundert nach Christus,
aneinandergefügt.
Gegenüber befand sich die Mondpyramide,
dazwischen ein Platz mit einem Friedhof. In diesem gesamten heiligen Bereich
hielten die Mochica religiöse Zeremonien ab, führten Wettkämpfe
durch und auch Menschenopfer. Dem wichtigsten Gott Aiapec, wörtlich
„jener, der schöpft“, ist die Sonnenpyramide gewidmet.
An der Spitze der Mochica stand der Herrscher
„siec“. Er hatte die militärische und religiöse Macht inne. Erkennbar
ist er an seinen strahlen- oder sonnenartigen Symbolen und daran, dass die
wichtigsten Schmuckstücke eine Verbindung mit der Zahl 10 aufweisen.
Darunter stand der Priester, der in Verbindung zum Mondkult und der Zahl
9 stand. Er residierte in der Mondpyramide. Kriegsbefehlshaber waren an ihrer
Kleidung, den Waffen und Emblemen zu erkennen.
Zivile Würdenträger, Hilfspersonal
der Priester sowie Soldaten oder Wächter standen den höher gestellten
Persönlichkeiten zur Seite. Schlussendlich folgten in der gesellschaftlichen
Hierarchie die Handwerker und Spezialisten, die wahrscheinlich zu bestimmten
Familien oder Kasten gehörten. Unter dem "einfachen Volk" – Fischer,
Bauern, Hirten, Jäger - standen nur die Yanas oder das Dienstpersonal.
„Pornographische“ Keramik
Neben den Grabfunden und den Bauwerken erzählen
die vielen Keramikarbeiten über das Leben der Mochica.
Neben der Darstellung kriegerischer Handlungen
und religiöser Zeremonien finden sich auch Alltagsszenen der Weber,
Jäger, Fischer, Bauern und Soldaten. Die Keramiken behandelten alle
Aspekte des Lebens – von der Wiege bis zur Bahre, von der Krankheit bis zum
Tod.
Und auch Liebesszenen in einer so freizügigen
Art, dass sittenstrenge Museumsdirektoren sie oft schamhaft zu verbergen suchten.
Die erotischen Keramiken wurden den Verstorbenen im Grabe beigelegt, damit
sie ihn ins Totenreich begleiten mögen. Selbst verstorbenen Kindern fügten
sie ein Gefäß bei, das eine Frau beim oralen Coitus mit ihrem
Partner zeigt. Offenheit in der Darstellung bedeutete jedoch nicht, dass
bei den Mochica alles erlaubt war: Homosexualität oder der ihnen von
spanischen Priestern nachgesagte Sex mit Tieren wurde nicht gutgeheißen.
Foto: Wolfgang Langer
Es gibt noch vieles über
die Mochica zu erzählen, z.B. dass der peruanische Großgrundbesitzer
und Hobbyforscher Rafael Larco Hoyle diesem Volk eine „Bohnenschrift“ zuerkannt
hat, die mit der Hieroglyphenschrift der Maya vergleichbar sein soll. Ein
origineller Gedanke oder aber das Ergebnis einer überbordenden Fantasie,
die einen Besitzer von 60.000 Moche-Keramiken vielleicht erfassen musste.