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Texte von Stephan Brües über Lateinamerika









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„Fair gehandelter Biokaffee ist unsere Zukunft!“

Kafeebauer in Peru

Kunden und Aktive des Fairen Handels in Wuppertal (und Umgebung) konnten sich im März 2005 hautnah über die Produktion ‚ihres‘ gepa-Kaffees informieren. 

Augusto Hoover Gonzalo Cerezo von der peruanischen Kaffeekooperative CECOVASA erzählte im gepa-Weltladen in Wuppertal-Elberfeld über den Bioboom für Kaffeebauern in seinem Land.

(von Stephan Brües)
Erstmals in der Fremde

„In Peru wird ja so gut wie gar kein Kaffee getrunken“, bemerkt Augusto Cerezo „und wenn“, fährt er fort, „dann Instant Kaffee von zweifelhafter Qualität.“

Qualität ist dem aus einem ganz kleinen Dorf im Südosten Perus stammenden Kaffeeberater ein wichtiges Anliegen. Auf seiner ersten Reise über den Atlantik besuchte er zwei Wochen lang Hamburger Kaffeehändler und –röster. Nun weiss er, was die Deutschen wünschen. Geschmacklich gesehen. Diese Informationen will er an die 20 Kaffeeberaterinnen und –berater der Kooperative weitergeben.

Diese werden sich dann zu den verstreut liegenden Fincas der Kaffeebauern aufmachen, um deren schon gute Qualität noch weiter zu verbessern. Und um noch mehr Bauern von der Umstellung auf zertifizierten Biokaffee zu überzeugen. Die Umstellung dauert drei Jahre, aber der Preis, den der Kaffeebauer erhalten wird,  wird um ein Drittel höher sein als bei konventionell angebautem Kaffee.

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CECOVASA

CECOVASA steht für Central de Cooperativas Agrarias Cafetaleras de los Valles de Sandia Ltda. (Zentrale der Kaffeekooperativen des Tales von Sandia). Das Tal liegt im Perus zwischen Cuzco und Puno. 4.000 Kaffeebauern aus neun Basisgenossenschaften haben sich 1970   zusammengeschlossen, um etwas gegen die niedrigen Erzeugerpreise zu unternehmen. Je zwei  Vertreter jeder Kooperative entscheiden auf der Genossenschaftsversammlung die allgemeine Geschäftspolitik und wählen den Vorstand (junta directiva).

Die Umsetzung obliegt der Geschäftsführung, die durch den Verwaltungsrat, den Aufsichtsrat, den Bildungsausschuss sowie das Komitee für ökologischen Kaffeeanbau gebildet wird. Letzteres arbeitet unermüdlich an dem weiteren Ausbau des Exports biologisch zertifizierten Kaffees. Die Statistik der letzten Jahre ist beeindruckend: wurden im Jahre 2001 2 Container mit Biokaffee nach Europa verschifft, waren es im letzten Jahr bereits 22 Container. Dabei hat jedes Quintal (=46 kg) einen beschwerlichen Weg aus den Tälern über Juliaca und Puno nach Lima und dem Hafen Callao hinter sich.

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Die Kaffeebauern

Die 4.000 Kaffeebauern aus dem Tambotal und Inambari bauen ihren Kaffee (und andere Produkte) auf insgesamt 7.000 Hektar an. Das macht durchschnittlich weniger als 2 ha pro Familie. Um wirklich gut davon zu leben, bräuchten sie 10 Hektar. Eine Ausweitung der Anbauflächen ist jedoch nicht möglich, da das Gebiet an einen Nationalpark grenzt. Unter diesen Bedingungen ist verständlich, dass ein hoher Erzeugerpreis so eminent wichtig ist. Das bietet derzeit nur der Faire Handel.

gepa-weltladen
Ein authentisches lateinamerikanisches Produkt

„Fairer Handel ist unsere Zukunft.“, wiederholt Augusto Cerezo immer wieder. Er fördere ein authentisches lateinamerikanisches Produkt, das die Lateinamerikaner selbst gar nicht zu schätzen wüssten. Sie kauften am liebsten die Produkte, die ihnen die USA anböten: Coke, Milchpulver, etc. All jene, die Europa bereits überschwemmt haben. Doch gibt es dort auch anderes:

Augusto Cerezo blickt irritiert in dem ersten Weltladen umher, den er je gesehen hat. Warum – fragt er in die Runde – kaufen Sie hier die teuren Produkte? Die bisher nur Zuhörenden reden nun von Solidarität, dem Beitrag zu einem gerechteren Welthandel, aber auch von der Qualität der fairen Produkte.

Foto: gepa-Fairhandelshaus

Der peruanische Kaffeeberater versteht nun, warum Menschen, die 10.000 km von seiner Heimat entfernt leben, Kaffeebauern unterstützen wollen, fernab aller Almosen, aufgrund hochwertiger guter Produkte. Cerezos Kollegen werden auf dem nächsten Treffen viel Neues von ihm hören.

Der deutsche Kaffeetrinker aber hat erfahren, wer sein Getränk unter welchen Bedingungen produziert. Das nennt der solidarisch denkende Volksmund "Eine Welt-Gedanken".


Moche: Wo Keramiken von Liebe und Leben erzählen

Wer Peru und seine Kultur vor der spanischen Kolonialisierung vor Augen hat, denkt sofort an die Inkas. Sie haben in Cuzco und Umgebung eindrucksvolle Bauwerke errichtet, vor allem aber haben sie ein riesiges Reich geschaffen, das in der Zeit seiner größten Ausdehnung im Jahre 1522 die heutigen Staaten Ecuador, Peru, Teile Boliviens und Argentiniens umfasste. Die Inkas waren das militärisch und organisatorisch erfolgreichste Volk Perus. Kulturell haben Sie - ähnlich wie die Römer in Europa - das Wissen anderer Völker abgeschöpft und weiter entwickelt.  Am Beispiel der Moche-Kultur an der Nordküste Perus sollen an dieser Stelle andere bedeutende Kulturen Perus gewürdigt werden.

moche-skulptur Februar 1987 im kleinen Dorf Sipán, 800 Kilometer nördlich von Lima. Grabräuber entdecken ein Grab und plündern es. Goldfunde locken Bauern an, auch Kriminelle. Goldgräberstimmung in Sipán.
Aber auch die Polizei bekommt Wind von der Sache und alarmiert den lokalen Archäologen Dr. Walter Alva. Er beteiligt sich an den Grabungen und findet gänzlich unversehrte Gräber der führenden Persönlichkeiten des Volkes der Mochica.  Eine Sensation.Bisher waren viele Fundstücke, die den Mochica zugerechnet wurden, unsystematisch und zusammenhanglos in vielen Museen verstreut gelagert oder ausgestellt: Der Fund von Sipán machte eine umfassende Darstellung dieser beeindruckenden Kultur möglich. Wer waren die Mochica?

ie Kultur der Moche entwickelte sich um 100 vor Christus an der Nordküste des heutigen Peru nahe der Stadt Trujillo. Der eigentliche Name dieses Volkes ist nicht bekannt, so wurde es nach der Stadt Moche, dem religiösen und politischen Zentrum, benannt. 

Foto: Marita Lindt, www.fotocommunity.de

Im Laufe der Zeit dehnte sich der Einfluss der Mochica bis zur Südküste Perus aus. In den Jahren 600-700 nach Christus endete die Moche-Kultur. Sie ging über in das Reich der Chimú und der aus dem Hochland stammenden Huari. Ihre Sprache wurde jedoch noch länger gesprochen; unter dem Namen Yunga haben spanische Priester und Mönche sie erforscht. Im Dorf Eten an der nördlichen Küste Perus soll sie sogar noch bis ins 20. Jahrhundert benutzt worden sein.

Überleben durch ausgeklügelte Bewässerungssystem

caballitos

Das Überleben in dem überaus trockenen Gebiet war nur in der Nähe von Wasser möglich, denn es regnete so gut wie nie. Bewässerungssysteme waren daher für die Ernährung der Mochica unerlässlich. Sie bauten Mais, Bohnen, Erdnüsse und Chili-Pfeffer in ausgeklügelten Ackerbautechniken an. Die Bauern senkten ihre Felder ab, bis die Erde in direkten Kontakt zum Grundwasser stand. Als natürlichen Dünger gab es nur Guano, den Kot der Seevögel. Zudem wurde Baumwolle für die Textilproduktion angepflanzt. 

Die Mochica nutzten Schilf und Rohr für Hütten und kleinere Schiffe. Die Flöße, „caballitos del mar“ (Seepferdchen) waren aus Basaltholz, Binsenschilf und Röhricht. Die Jagd auf Fische, Seevögel und Meeressäuger gehörte zu weiteren Tätigkeiten der Mochica. Sie trieben aber auch mit landeinwärts lebenden Gruppen Handel. Nutztiere waren Enten, Meerschweinchen und Hunde. Ausgestorben ist eine Lamarasse, die gezüchtet wurde und an das Wüstenklima angepasst war. Exotischere Haustiere wie Papageien, Affen und Ozelote hielt sich der Adel.

Foto: Gerhard Fischer, www.indianerwelt.de/sued/index.htm

Architektur als Zeichen gesellschaftlicher Schichtung

Mit der so genannten „Sonnenpyramide“, die 228 m lang, 136 m breit und 41 m hoch war, errichteten die Mochica in ihrem religiösen Zentrum Moche eines der größten Bauwerke an der Küste. Nicht weniger als 100 Millionen „Adobe“-Lehmziegel wurden über mehrere Jahrhunderte hinweg, beginnend im ersten Jahrhundert nach Christus, aneinandergefügt.

Gegenüber befand sich die Mondpyramide, dazwischen ein Platz mit einem Friedhof. In diesem gesamten heiligen Bereich hielten die Mochica religiöse Zeremonien ab, führten Wettkämpfe durch und auch Menschenopfer. Dem wichtigsten Gott Aiapec, wörtlich „jener, der schöpft“, ist die Sonnenpyramide gewidmet.

An der Spitze der Mochica stand der Herrscher „siec“. Er hatte die militärische und religiöse Macht inne. Erkennbar ist er an seinen strahlen- oder sonnenartigen Symbolen und daran, dass die wichtigsten Schmuckstücke eine Verbindung mit der Zahl 10 aufweisen. Darunter stand der Priester, der in Verbindung zum Mondkult und der Zahl 9 stand. Er residierte in der Mondpyramide. Kriegsbefehlshaber waren an ihrer Kleidung, den Waffen und Emblemen zu erkennen.

Zivile Würdenträger, Hilfspersonal der Priester sowie Soldaten oder Wächter standen den höher gestellten Persönlichkeiten zur Seite. Schlussendlich folgten in der gesellschaftlichen Hierarchie die Handwerker und Spezialisten, die wahrscheinlich zu bestimmten Familien oder Kasten gehörten. Unter dem "einfachen Volk" – Fischer, Bauern, Hirten, Jäger  - standen nur die Yanas oder das Dienstpersonal.

„Pornographische“ Keramik

Neben den Grabfunden und den Bauwerken erzählen die vielen Keramikarbeiten über das Leben der Mochica.

mochemacho

Neben der Darstellung kriegerischer Handlungen und religiöser Zeremonien finden sich auch Alltagsszenen der Weber, Jäger, Fischer, Bauern und Soldaten. Die Keramiken behandelten alle Aspekte des Lebens – von der Wiege bis zur Bahre, von der Krankheit bis zum Tod.

Und auch Liebesszenen in einer so freizügigen Art, dass sittenstrenge Museumsdirektoren sie oft schamhaft zu verbergen suchten. Die erotischen Keramiken wurden den Verstorbenen im Grabe beigelegt, damit sie ihn ins Totenreich begleiten mögen. Selbst verstorbenen Kindern fügten sie ein Gefäß bei, das eine Frau beim oralen Coitus mit ihrem Partner zeigt. Offenheit in der Darstellung bedeutete jedoch nicht, dass bei den Mochica alles erlaubt war: Homosexualität oder der ihnen von spanischen Priestern nachgesagte Sex mit Tieren wurde nicht gutgeheißen.


Foto: Wolfgang Langer

Es gibt noch vieles über die Mochica zu erzählen, z.B. dass der peruanische Großgrundbesitzer und Hobbyforscher Rafael Larco Hoyle diesem Volk eine „Bohnenschrift“ zuerkannt hat, die mit der Hieroglyphenschrift der Maya vergleichbar sein soll. Ein origineller Gedanke oder aber das Ergebnis einer überbordenden Fantasie, die einen Besitzer von 60.000 Moche-Keramiken vielleicht erfassen musste.

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EI Señor de Sipan kehrt zurück

fuerstenfrauen

"Los Andes" bringen uns die Moche nahe

(Text und Fotos von Stephan Brües)

Judith Sanders, Peruanerin und seit 1982 in der Bundesrepublik, hat eine Mission: Sie will den Menschen ihrer zweiten Heimat die Geschichte und die alten Kulturen ihrer ersten Heimat vermitteln.Sie gündete in Bremen die Folkloregruppe "Los Andes" (www.losandes-peru.de), die auf Festen, im Karneval oder bei Vernisagen des Malers und Ensemblemitglieds K'akachi auftritt. So kam sie nach Köln und mit ihr kehrte El Señor de Sipan leibhaftig zurück.

Samstag abend, Lichthof der VHS Köln-Sülz Die lateinamerikanische Künstlergruppe ''Barrio Latino" stellt Bilder und Objekte aus, während neun Mitglieder der Gruppe Los Andes unter der Leitung von Judith Sanders eine kleine Ausstellung aufbauen, die Technik herrichten und altperuanische Kleidung und Schmuck anlegen. Auch mit Speisen und Getränke werden die langsam eintrudelnden Gäste versorgt.

Judith Sanders begrüßt die Anwesenden und fuhrt in die beiden Programmteile des Abends ein: die Multimediashow "Die Gräber von Sipan" und im Anschluss das darstellerische Nachempfinden des Lebens in Sipan durch die Ensemblemitglieder von "Los Andes".Laute Sikuri-Klänge erfüllen den dunklen Raum. Die Powerpoint-Präsentation veranschaulicht; was im Fürstengrab von Sipan gefunden wurde und welche Schlüsse Forscher daraus zogen (Näheres im Moche-Artikel oben).

fuerstdienerDann kehrt EI Seņor de Sipan - aufwändig geschmückt - zurück. Ein Schamane bereitet ihm mit Rasseln den Weg, seine Frauen erscheinen im Gefolge.
Derweil erzählt eine Stimme die Legende von Naylamp, dem Gründer der Moche-Kultur, der anfangs verehrt; später von seinem Volk vertrieben wurde. Sein Verschwinden begründete den Glauben an seine Unsterblichkeit.
Die Gäste würden etwas über Peru lernen, versprach Judith. Si, como no!

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